23.10.2010
Mit 10:26 hat der ASV Nendingen am Samstag gegen den deutschen Meister von 2009 eine deutliche Niederlage bezogen. Der in absoluter Top-Besetzung angetretene KSV Köllerbach erwies sich an diesem Tag als unbesiegbar. Dabei war sich Trainer Volker Hirt mit seinen Köllerbacher Kollegen einig: „Das Ergebnis ist viel zu hoch ausgefallen und spiegelt das Kräfteverhältnis nicht richtig wider.“
Mindestens sieben der zehn Paarungen waren sehr eng umkämpft und hätten mit etwas Glück auch anders ausgehen können. So verloren Ghenadie Tulbea und Andreas Miekeley ihre Kämpfe erst in der 5. Runde. Und auch beispielsweise Marc Buschle, Sergios Solontkis oder Eduard Kratz mussten sich nur ganz knapp geschlagen geben.
Mann des Tages aus Nendinger Sicht war Benjamin Raiser, der in seinem besten Kampf dieser Saison mit einer überragenden Leistung den bulgarischen Meister Emil Milev, den WM-Neunten von 2009, mit 3:0 Runden bezwang. Überhaupt stellten bei den Saarländern die starken Bulgaren mit fünf Ringern die größte Fraktion. Aber auch ihre vier deutschen Ringer, die allesamt Deutschland bei der WM im September vertreten hatten, verkörperten absolute ringerische Spitzenklasse.
Rund 1 000 Zuschauer in der Mühlauhalle sahen Kämpfe auf hohem internationalen Niveau. Nur schade, dass die Hochstimmung der ersten fünf Kämpfe, die im grenzenlosen Jubel nach dem Sieg Benjamin Raisers gipfelte, dann nach der anschließenden Pause nicht in die zweite Hälfte hinüber getragen werden konnte. Nach durchwegs engen Kämpfen mit knappen Niederlagen war dann naturgemäß der Stimmungspegel nicht mehr so hoch.
Florin Gavrila (55 kg) konnte trotz guten Einsatzes gegen Venelin Venkov, den WM-Fünften dieses Jahres, nicht ganz mithalten und musste sich mit 0:3 geschlagen geben. Auch Markus Eichin (120 kg) war gegen den EM-Dritten Dimitar Kumchev ohne Siegchance. Der vielleicht beste Ringer dieser Klasse in der Liga konnte letztlich sogar die nötigen Punkte zum Überlegenheitssieg machen.
Absoluter Höhepunkt des Abends war der Kampf in der Klasse bis 60 Kilogramm. Mit Ghenadie Tulbea und dem Mongolen Naranbaatar Bayaraa, dem Weltmeister von 2007, boten zwei Spitzenethleten Ringen auf höchstem Niveau. Nach jederzeit packendem Kampf schien der Nendinger in der 4. Runde sogar vor dem Sieg zu stehen. Er glaubte sich mit zwei Punkten in Führung, gab zwei Sekunden vor Schluss noch eine Eins ab und verlor damit zu seiner Verblüffung diese Runde und dann auch noch den letzten Durchgang ganz knapp.
Eine starke Leistung zeigte in seinem ersten Kampf der Saison Andreas Miekeley (96 kg). Gegen Elis Guri, den EM-Dritten von 2008, hielt er den Kampf bis zur vierten Runde offen und musste sich ebenfalls nur mit 2:3 geschlagen geben. Für eine sehr positive Überraschung aus Sicht des ASV sorgte dann Benjamin Raiser (66 kg) mit seinem Sieg gegen Emil Milev. Es gab wohl keinen unter den vielen Zuschauern, der „Benji“ seine überglückliche Ehrenrunde nach dem Kampf nicht gegönnt hätte.
Beim Stand von 7:13 bestand nach der Pause noch die Möglichkeit, die Niederlage zumindest in Grenzen zu halten. Doch alle fünf Kämpfe gingen verloren, auch wenn man keinem der ASV-Ringer den geringsten Vorwurf machen könnte. Marc Buschle (84 kg) zeigte gegen Lyuben Iliev einen ganz starken Kampf und stand auch in den ersten beiden Durchgängen jeweils kurz vor einem Rundengewinn. Doch der junge Bulgare drehte den Kampf immer wieder und setzte sich knapp mit 3:1 Runden durch. Bei seinem ersten Kampf im ASV-Trikot gewann der Rumäne Yan Ceaban (66 kg) zwar eine Runde, aber auch er verlor gegen den deutschen Spitzenringer Martin Daum mit 1:3 Runden.
In den letzten drei Kämpfen mussten sich die Nendinger Ringer dann nach harten Kämpfen ebenfalls jeweils den amtierenden deutschen Meistern geschlagen geben. Sergios Solontkis (84 kg) hatte im Hinkampf gegen Jan Fischer überraschend gewonnen. Doch diesmal glückte dem Saaränder die Revanche, nachdem der Nendinger im Bodenkampf nicht punkten konnte. Ähnlich der Verlauf im Kampf von Eduard Kratz (74 kg) gegen Konstantin Schneider, der jeweils die Unterlage wählte. Seine Rechnung ging auf, als „Ede“ als „Obermann“ keine Wertung erzielen konnte und der Saarländer so ohne technische Wertung zum 1:0-Sieg kam Wie erwartet konnte Sandor Tözser (74 kg) schließlich Andrij Shyyka nicht gefährden und unterlag mit 0:3 Runden.
(Bericht: Fritz Reichle)