15.08.2011
Mit welchen Erwartungen für das Abschneiden der Mannschaft des ASV Nendingen geht ihr in die neue Bundesligasaison?
Marc Buschle: Eine Prognose ist sehr schwierig, weil viel davon abhängt, welche ausländischen Spitzenkräfte von den einzelnen Mannschaften eingesetzt werden und in welcher Form sich diese präsentieren. Für viele Spitzenringer ist in einem vorolympischen Jahr das Abschneiden bei der WM im September wichtig. Wer sich beispielsweise hier für die Olympischen Spiele qualifiziert, wird sich wohl weniger auf seine Bundesligaeinsätze konzentrieren. Wenn alle Mannschaften in Top-Besetzung antreten, halte ich für uns Platz 5 oder 6 für realistisch.
Florian Schwarz: Obwohl ich unsere Neuzugänge noch nicht genau kenne, bin ich doch relativ optimistisch. Wir haben keinen Druck, aber unter Umständen ist mit Platz vier doch die Qualifikation für die Endrunde möglich.
Was erwartet ihr für euer persönliches Abschneiden?
Florian Schwarz: Im letzten Jahr habe ich 7 Siege geholt und will nun mindestens genau so gut abschneiden. Gegen die Überflieger ist natürlich nichts zu holen. Aber ich freue mich trotzdem darauf, gegen Spitzenleute ringen zu dürfen.
Marc Buschle: In der letzten Saison hatte ich mit 8:6 Siegen eine gute Runde. Da die Klasse bis 84 kg jetzt aber noch stärker besetzt ist, wäre eine ähnliche Bilanz sehr positiv. Ich werde auf jeden Fall kämpfen, als ob es meine letzte Saison in der Bundesliga wäre.
Ist der ASV in dieser Saison stärker einzuschätzen als im letzten Jahr?
Marc Buschle: Die Personaldecke ist auf jeden Fall deutlich erhöht. Dadurch sind wir viel variabler in der Aufstellung und deswegen schwerer auszurechnen. Wir beide sind aber wohl sicherlich Stammringer in der Mannschaft.
Inwieweit könnt ihr von den Gastringern profitieren?
Florian Schwarz: Ich habe zum Beispiel mit Ghenadie Tulbea oder Yan Ceaban hervorragende Trainingspartner und kann viel von ihnen lernen. Wir haben eigentlich bisher überwiegend gute Erfahrungen mit den ausländischen Ringern gemacht.
Marc Buschle: Manches ist natürlich nicht so einfach, da sie aus anderen Kulturkreisen kommen. Aber ein Ringer wie beispielsweise Ghenadie Tulbea ist auch menschlich eine Bereicherung für den ASV. Und mit Georgi Sredkov habe auch ich einen guten Trainingspartner. Optimal wäre es allerdings, wenn ich schon 6 Wochen vor der Runde mit ihm trainieren könnte.
Hat sich etwas verändert in den drei Jahren seit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga?
Marc Buschle: Natürlich ist die Euphorie von damals etwas verflogen. Mit den gewachsenen Aufgaben ist der Verein viel professioneller geworden und die Mannschaft hat sich intern auch verändert. Da gibt es natürlich auch schon mal unterschiedliche Interessen beispielsweise zwischen 1. und 2. Mannschaft.
Florian Schwarz: Das Publikum hat sich auch etwas verändert. Früher dominierten die jüngeren Zuschauer in der Nendinger Sporthalle und heute haben wir mehr Zuschauer aus allen Gesellschaftsschichten, für die ein Bundesligakampf eben ein besonderes Ereignis ist. Aber wir hoffen, dass in dieser Saison auch unsere jungen Fans wieder für tolle Stimmung sorgen.
Welche Bedeutung hat für euch die Atmosphäre und das Publikum in der Mühlauhalle?
Florian Schwarz: Es ist einfach super, wenn da so viele Leute sind und man auf der Matte im Mittelpunkt steht. Allerdings kriege ich während des Kampfes von außen fast nichts mit. Da bin ich so konzentriert, dass ich froh bin, wenn ich den Trainer höre.
Marc Buschle: Die Atmosphäre ist einzigartig in der Liga. Da bin ich schon stolz darauf in einer vollen Halle zu ringen, vor Leuten, die man zum Teil ja gut kennt.
Bekommt man als Ringer eigentlich mit, welch großer Aufwand und Einsatz von Helfern für einen Bundesligakampf in der Mühlauhalle notwendig ist?
Marc Buschle. Ohne die vielen Helfer wäre das völlig unmöglich und wir helfen ja zum Teil auch selber mit. Der Aufwand hier ist viel höher als irgendwo sonst. Aber dadurch haben wir ja auch eine wirklich hochwertige Veranstaltung.
Wie groß ist der Trainingsaufwand vor einer Saison?
Marc Buschle: Wir trainieren vier Mal in der Woche. Ganz wichtig ist dabei natürlich ein regelmäßiges Krafttraining. Und im Frühjahr bin ich sehr viel gelaufen, unter anderem auch den Halbmarathon bei run&fun.
Wie beurteilt ihr die Regelung mit der Toleranz von 2 kg pro Gewichtsklasse?
Florian Schwarz: Mir kommt es schon entgegen, da ich so statt 5 „nur“ 3 kg jeweils abkochen muss, um das Limit von nun 68 kg auf die Waage zu bringen.
Marc Buschle: Ohne diese Toleranz könnte ich die Klasse bis 84 kg gar nicht bringen. Und die Klasse bis 96 kg ist für mich eigentlich zu hoch.
Die Bundesliga ist inzwischen ein Sammelbecken internationaler Spitzenringer. Ist das eine Belastung oder eher ein zusätzlicher Anreiz?
Marc Buschle: Ich sehe zwei Probleme. Zum einen kann die Zulassung zu vieler ausländischer Ringer irgendwann mal zum Kollaps des ganzen Systems führen. Und zum anderen würde ich die Liga ohne Play-Offs wie im Fußball durchgehend laufen lassen. Da nicht alle Ausländer über lange Zeit hinweg einsatzfähig sind, gäbe es dann weniger Wettbewerbsverzerrung durch das „Einfliegen“ von Spitzenringern zu den entscheidenden Kämpfen. Jeder Sieg und jeder Kampf während der Runde wäre dann wichtig.
Wie lange kann man eigentlich als Ringer auf diesem hohen Niveau mithalten?
Florian Schwarz: Wir sind keine Profis, die sich nur auf den Sport konzentrieren können. Der zeitliche Aufwand ist schon enorm. Nach 8 – 9 Stunden Arbeit täglich fällt das Training schon manchmal schwer und die langen Fahrten an den Wochenenden sind natürlich auch eine arge Belastung. Das kann und will ich nicht endlos mitmachen.
Marc Buschle: Wenn die Zeit da ist, gehe ich schon gerne ins Training. Aber für die Klasse bis 96 kg würde ich das nicht länger in der Bundesliga machen In der Regionalliga beispielsweise wäre das sicher länger möglich, wenn der Druck des Müssens weg wäre. Aber Beruf und Familie stehen dann doch irgendwann mal im Vordergrund.
(Interview: Fritz Reichle)