06.10.2011
Ihr beide seid am 19.4.1983 geboren. Wer ist eigentlich der Ältere?
Nenad Zugaj: Ich kam drei Minuten früher zur Welt. Wir sind eineiige Zwillinge, wir kämpfen gemeinsam, analysieren uns gegenseitig und arbeiten in allem zusammen.
Wie kam es zum Kontakt mit dem ASV Nendingen und warum habt ihr euch dann auch für den ASV entschieden?
Nenad Zugaj: Markus Scheu hat bei uns angefragt und dann haben wir nach Kontakt per e-Mail in Dortmund bei der Europameisterschaft den Vertrag unterschrieben. Wir sind die ersten Kroaten, die in der 1. Bundesliga ringen. Deswegen haben wir uns vorher genau informiert. Mindaugas Mizgaitis hat uns den ASV Nendingen dann auch wärmstens empfohlen.
Wie seid ihr hier in Nendingen aufgenommen worden?
Nenad Zugaj: Wir dachten, wir seien wohl nur als Ringer auf der Matte gefragt. Aber alle Leute sind unheimlich freundlich hier. Wir sind gut untergebracht und haben schon viele schöne persönliche Gespräche geführt. Also fühlen wir uns wirklich wohl.
Was waren bisher eure größten Erfolge im Ringen?
Neven Zugaj: Der 3. Platz bei der WM in Istanbul im September war sicher bisher der Höhepunkt. Aber ich war auch früher schon mal Dritter bei der WM und 2008 Militärweltmeister.
Nenad Zugaj: Ich war 2010 ebenfalls WM-Dritter in Moskau und kam auf den 5. Platz bei der EM
Wie bewertet ihr euer Abschneiden bei der WM in Istanbul?
Neven Zugaj: Das war für mich natürlich ganz toll. Nicht nur weil ich die Bronzemedaille geholt habe, sondern weil ich damit auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft habe. Und ein besonderer Erfolg war, dass ich wieder den Olympiasieger Manuchar Kvirkelia und den Europameister Rafig Huseynov besiegen konnte.
Nenad Zugaj: Für mich lief es nicht ganz so gut. Ich bin aber über den 7. Platz nicht enttäuscht. Denn ich habe mir 4 Wochen vorher eine Rippe gebrochen und vom Arzt eigentlich Startverbot bekommen. Erst kurz vorher habe ich mich doch für die Teilnahme entschieden und bin deswegen froh, dass es doch so gut lief. Also sehe ich das positiv. Und für die Olympischen Spiele in London kann ich mich dann im April und Mai bei den Qualifikationsturnieren immer noch durchsetzen.
Wie seid ihr eigentlich zum Ringen gekommen?
Neven Zugaj: Das war im Alter von 10 Jahren, als wir in der Schule erstmals mit dem Ringsport konfrontiert wurden. Erst haben wir auch noch Fußball gespielt, uns aber dann bald fürs Ringen entschieden.
Wo seht ihr eure besonderen sportlichen Stärken?
Nenad Zugaj: Das ist zum einen die Kondition. Schon unser Jugendtrainer hat sehr viel Lauftraining mit uns gemacht. Der entscheidende Faktor kam aber vor vier Jahren, als wir mit mentalem Training angefangen haben. Der Verband hat für 6 Monate einen Sportpsychologen angestellt, ihn dann aber nicht weiter bezahlen können. Seither lassen wir uns von ihm einmal pro Woche auf eigene Kosten betreuen. Das hat uns sehr geholfen.
Viele Zuschauer haben sich gewundert oder sich amüsiert, als du bei deinem ersten Kampf gegen Mainz immer zu lächeln oder zu lachen schienst. Hängt das mit eurem mentalen Training zusammen?
Nenad Zugaj: Ja, genau. Unser Mentaltrainer hat uns eine andere Haltung zum Leben und zum Sport vermittelt. Schau im Kampf nicht auf den Gegner oder die Zeit, sondern konzentriere dich nur auf dich. Habe Spaß bei dem, was du tust. Genieße das Leben und deinen Sport. Deswegen machen wir auch unser tägliches Training mit Atmungs- und Entspannungsübungen. Außerdem versuchen wir, durch Visualisierungsübungen eine positive Grundeinstellung zu verstärken.
Gibt es in Kroatien auch eine Mannschaftsmeisterschaft im Ringen?
Neven Zugaj: Ja, wir sind mit unserem Klub „Lika Zagreb“ schon zwei Mal Meister geworden. In diesem Herbst müssen sie aber nun während unseres Engagements in Nendingen ohne uns auskommen. Und sie haben ihren Kampf gestern auch 5:2 gewonnen.
Welchen Stellenwert hat das Ringen in Kroatien?
Nenad Zugaj: Am populärsten sind Fußball und Handball. In den Individualsportarten zählen eigentlich nur Medaillen bei Olympischen Spielen. Aber das Ringen hat in den letzten Jahren schon an Bedeutung gewonnen.
Seht ihr euch eigentlich als Profisportler?
Neven Zugaj: Ja, eigentlich schon. Wir trainieren zwei Mal täglich. Das ergibt etwa 20 – 25 Trainingsstunden pro Woche.
Nenad Zugaj: Wir haben uns nach der Schule vier Jahre lang an der Universität als Sportlehrer ausbilden lassen. Dann gingen wir für ein Jahr auf die Offiziersschule und haben nun den Rang eines Leutnants in der Armee. Neven arbeitet hier als Sportlehrer und ich bin in der Öffentlichkeitsarbeit tätig. Neben unserer sportlichen Karriere wollen wir auch unsere berufliche Karriere beim Militär fortsetzen.
Gestern habt ihr euren ersten Kampf im Trikot des ASV Nendingen bestritten. Welchen Eindruck habt ihr von dieser Veranstaltung bekommen?
Nenad Zugaj: Es war einfach großartig. Ein so großes und lebhaftes Publikum ist für uns ungewohnt. In Kroatien haben wir nicht so viele Zuschauer. Aber es war wirklich toll. Wir haben nur positive Erfahrungen gemacht.
Du hast ja deinen Kampf auch gewonnen. Aber Neven musste eine Niederlage hinnehmen. Warst du sehr enttäuscht?
Neven Zugaj: Natürlich wollte ich gerade in diesem ersten Kampf für den ASV gerne gewinnen. Aber Georgiev hat sehr stark gerungen. Er war ja auch bei der EM in Dortmund besser platziert als ich. Aber es ist oft so, dass nach einem Höhepunkt wie der Medaille bei der WM ein kleines Tal folgt. In den nächsten Kämpfen will ich aber auf jeden Fall gewinnen.
Was erwartet ihr von eurem Engagement beim ASV Nendingen?
Nenad Zugaj: Wir wollen natürlich möglichst viele Kämpfe machen. Aber wir wissen, dass das auch von der Ausländerquote abhängt und sich das von Kampf zu Kampf ändern kann. Für uns ist das hier in der starken Bundesliga in Deutschland eine ganz wichtige Erfahrung. 10 Kämpfe hier gegen so starke Gegner sind so viel wert wie 20 Kämpfe in Kroatien.
Wir danken für das Gespräch und wünschen euch viel Glück und Erfolg hier beim ASV Nendingen
.Interview führte Fritz Reichle
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