05.09.2011
Manch ein Zuschauer mag sich am Samstag in der Mühlauhalle über die Mannschaftsaufstellung des ASV Nendingen gewundert haben, in der im Schwergewicht mit dem jungen Cederic Mühlmann ein Ringer auftauchte, der ansonsten eher für die 3. Mannschaft in der Bezirksklasse vorgesehen ist. Das hing zum einen mit der Verletzung des Stammringers Mindaugas Mizgaitis zusammen, zum anderen war es ein taktischer Schachzug der ASV-Verantwortlichen. Wenn ein deutscher U 23-Ringer aufläuft, dann können statt der ansonsten zulässigen Höchstzahl von 5 ausländischen Ringern nun deren 6 aufgestellt werden. So wurde hier aus der Not eine Tugend gemacht. Und diese Rechnung ging tatsächlich auch auf, denn in den restlichen 9 Gewichtsklassen holte der ASV 7 Siege und sicherte sich so den klaren Mannschaftserfolg.
Vielen ASV-Verantwortlichen fiel nach dem klaren Sieg ein wahrer Mühlstein vom Herzen. Eine weitere Niederlage wäre nicht nur psychologisch fatal gewesen. So aber konnte doch noch auch ohne die voraussichtlichen WM-Starter Nicolai Ceban, Balazs Kiss, Mindaugas Mizgaitis und die Brüder Nenad und Neven Zugaj ein klassischer Fehlstart nach Art von Usain Bolt verhindert werden. Und vielleicht gibt es ja dann auch im Saisonverlauf, so wie bei Bolt bei der Leichtathletik-WM, auch noch ein Happy-End für den ASV in der Bundesliga.
Vom 12.-18. September wird bekanntlich in Istanbul die Ringer-WM ausgetragen, deren Verlauf natürlich auch in Nendingen besonders interessiert verfolgt werden wird. Während der WM pausiert die 1. Bundesliga und da der ASV Nendingen am darauf folgenden Kampftag am 24. September kampffrei ist, wird der ASV erst nach 4 Wochen am Samstag, 1. Oktober, mit einem attraktiven Heimkampf gegen den ASV Mainz wieder ins Geschehen eingreifen.
Ein Ringer hatte es am Samstag nach dem Kampf besonders eilig. Florin Gavrila war am Donnerstag zum zweiten Mal Vater geworden und wollte nun sofort nach Kampfschluss mit dem Auto zurück in die rumänische Heimat zu Mutter und Kinder fahren. Eigentlich wäre der errechnete Geburtstermin, wie es sich für eine Ringerfamilie gehört, genau in die WM-Pause der Bundesliga gefallen. Doch die kleine Annemarie kam 2 Wochen früher als geplant zur Welt und so konnte der stolze Vater bei der überraschend frühen Geburt leider nicht dabei sein.
Hans-Dieter Schwarz, der als Hallensprecher aktive Nendinger Ortsvorsteher, konnte am Samstag zwei hochverdiente Ehrungen vornehmen. Mit Lotte Schwarz und Reiner Schilling wurden zwei Personen gewürdigt, die sich besonders um den ASV verdient gemacht haben. Lotte Schwarz, die Mutter von Florian, kümmert sich schon lange um die Sauberkeit im Ringerlokal. Und Reiner Schilling ist ja schon seit Jahrzehnten der Mann, ohne den der ASV nie einen so hohen Stellenwert in Deutschland wie jetzt erreicht hätte. OB Michael Beck ließ es sich deswegen auch nicht nehmen nach einem Grußwort auch den beiden Ausgezeichneten herzlich zu gratulieren und zu danken.
Im Kampf der Nendinger Zweiten in der Regionalliga kam es übrigens zu einer besonders interessanten Begegnung, die ein Beispiel dafür ist, wie Sport eigentlich sein sollte: ein fairer Wettstreit unter Freunden. Im Schwergewicht standen sich Bernhard Scheuring für den ASV und sein bisheriger Vereinskollege und häufiger Trainingspartner, der nun für die WKG Weitenau/Wieslet ringende Markus Eichin, gegenüber. Beide verstehen sich auch privat hervorragend und so hat der „Bär von Gresgen“ in diesem Frühjahr auch eine Woche lang freiwillig beim Hausbau von Bernhard Scheuring in Nendingen geholfen. Jetzt aber am Samstag als Gegner auf der Matte schenkten sich die beiden nichts und lieferten sich einen harten Kampf, in dem der Gast dann knapp die Oberhand behielt.
(Bericht: Fritz Reichle)