19.08.2011
Volker Hirt, Trainer des ASV Nendingen, äußert sich vor dem Saisonauftakt am Samstag
TUTTLINGEN-NENDINGEN (cg) - Mit der RWG Mömbris-Königshofen kommt zum Auftakt der neuen Ringer-Bundesliga am Samstag um 19.30 Uhr der deutsche Vizemeister zum ASV Nendingen in die Mühlauhalle. Unser Redakteur Christian Gerards sprach vor dem ersten Kamptag mit ASV-Trainer Volker Hirt.
SZ: Herr Hirt, was erwarten Sie von der kommenden Saison?
Volker Hirt: Die Saison wird sehr spannend werden, da nicht nur wir uns verstärkt haben. Alle Mannschaften sind durch ihre Neueinkäufe enger zusammengerügt und verfügen nun über einen breiten Kader. Ich denke, in unserer Gruppe können sich alle gegenseitig schlagen. Die einzige Mannschaft, die ich für unereichbar einschätze, ist der amtierende Meister SV Germania Weingarten – sie werden auch dieses Jahr wieder Meister werden.
SZ: Mit dem KSV Aalen kämpft der württembergische Konkurrent nun in der Bundesliga Ost. Ist der Wegfall der Derbys ein Verlust?
Hirt: Ja klar, die Derbys waren immer sehr beliebt bei den Fans. Es war immer ein Highlight, gegen Aalen zu ringen, und mich verbindet viel mit der Ostalb. Ich finde es sehr schade, da wir immer knapp gegen sie gerungen und sie sogar vergangenes Jahr zu Hause geschlagen haben.
SZ: Ist der Einzug ins Viertelfinale nun leichter, da der KSV nicht mehr in der West-Staffel kämpft?
Hirt: Nicht wirklich. Klar fällt ein Top-Favorit weg, aber, wie schon gesagt, sind durch die enormen Verstärkungen alle Teams in der Liga stärker geworden. Ich denke, es werden sechs Mannschaften um die Playoff-Plätze kämpfen. Wir versuchen auch, diese zu erreichen. Aber unser Ziel ist es dieses Jahr nicht primär. Ich habe mir als Ziel den fünften Platz gesetzt. Wenn wir das schaffen, können wir schon von einem Erfolg sprechen.
SZ: Der ASV hat einige Ringer für die neue Saison verpflichtet, den Kern des Teams sollen aber weiterhin die Einheimischen Marc Buschle, Florian Schwarz und Baris Diksu bilden. Was ist mit dem Team möglich?
Hirt: Um unsere eigenen Ringer haben wir wieder versucht, passende Kämpfer zu finden, die in die Mannschaft und in das Umfeld passen, stark genug sind in der ersten Bundesliga zu bestehen und mit denen wir unser Ziel erreichen können.
SZ: Ghenadie Tulbea hat in der abgelaufenen Runde eine phänomenale Runde gekämpft, nur zwei Niederlagen einstecken müssen. Können die ASV-Fans eine solche Leistung von ihm erneut erwarten? Oder legt der Neu-Monegasse sein Hauptaugenmerk auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 in London?
Hirt: Ich hoffe, dass Ghena dieses Jahr wieder viele Siege erringt. Sicherlich hat er seinen Schwerpunkt auf die Spiele gerichtet, aber das haben alle Ausländer, die in der Liga ringen. Er wird aber immer für uns da sein und auch alles für den ASV geben. Er ist ein seltener, genialer Ringer, den ich sehr schätze. Er wird auch dieses Jahr die Zuschauer mit spektakulären Aktionen verzaubern.
SZ: Auf was können sich die ASV-Zuschauer in der neuen Saison noch freuen?
Hirt: Auf alle Neuen in unserer Mannschaft. Wir haben geniale Ringer verpflichtet, die auch richtig Dampf auf der Matte geben können. Das war uns auch sehr wichtig. Sicher können sich die Zuschauer auch auf die Kämpfe in der Mühlauhalle freuen. Es wird zu jedem Kampf wieder enorm am Umfeld gearbeitet, so dass es immer eine Freude wird, an den Kampftagen bei diesem Event dabei zu sein. Viele neue und natürlich alte ehrenamtliche Helfer werden die Halle jedesmal zu einer einmaligen Ringerarena aufbauen.
SZ: Am Samstag ringt die Zweite um 18Uhr im Vorkampf gegen Willisau, um 19.30 Uhr geht es gegen Mömbris-Königshofen. Das dürfte Lust auf mehr machen, oder?
Hirt: Dieses Jahr beginnen wir wieder mit einem Heimkampf gegen Mömbris. Wenn das so ausgeht wie im vergangenen Jahr (der ASV siegte 17:16, die Red.), dann kann die Lust auf die Saison nicht größer werden.
SZ: Sie weilen derzeit in der Ukraine. Ist das so kurz vor dem Saisonstart optimal? Wer ersetzt Sie in den Tagen vor dem ersten Bundesliga-Kampf?
Sicherlich ist es nicht ganz optimal, wenn ich nicht vor Ort bin. Aber auch das ist mein Job. Wir bereiten uns gerade auf die WM vor und da muss ich meine Athleten betreuen. Ein Vorteil ist aber, dass ich hier sehe, wie einige Ringer unserer Mannschaft in Form sind. Das ist auch mal ganz gut. Ich sehe auch den Vergleich zu anderen Ringer. Als Trainer lerne ich hier neue Trainingsformen, die ich nützlich bei uns einsetzen kann. Mit Adrian Ozsda habe ich aber auch einen erfahrenen Co-Trainer, der mich gut vertritt und mich immer auf dem Laufenden hält.
SZ: Sie sind auch Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Könnte es sein, dass die Saison 2011 ihre letzte beim ASV wird?
Hirt: Das kann ich noch nicht sagen. Ich habe einen Vertrag bis zum Dezember. Was danach kommt, weiß ich noch nicht. Ich werde mir nach der WM im September in Istanbul und der Vorrunde Gedanken machen, wie es bei mir weitergeht. Die Belastung Job, ASV und Nationalmannschaft ist enorm groß. Auf Dauer kann ich das sicher nicht machen. Auch ich setze mir immer neue Ziele, die natürlich auch abhängig von der Erreichbarkeit sind. Ich schaue einfach mal, was die nächsten Wochen so bringen und dann sehe ich weiter.
Interview: Christian Gerards
Quelle: Schwaebische Zeitung