20.04.2011
Markus Scheu, neben Werner Marquardt und Matthias Kelch einer der drei Sportvorstände des ASV Nendingen, erläutert im Gespräch die aktuelle personelle Situationn des ASV:
Als der ASV Nendingen 2007 in die 1. Bundesliga aufstieg, hatte man das Ziel, möglichst viel auf eigene oder zumindest deutsche Ringer zu setzen. Jetzt hört man aber immer wieder von neuen ausländischen Ringern, die für den ASV ringen. Muss das sein?
Es waren weit weniger Neuzugänge geplant, doch dann wurden wir von der Wirklichkeit überholt. Dass wir uns verstärken müssen, um nicht nach unten durchgereicht zu werden, das war klar. Dass wir in jeder Gewichtsklasse eine Alternative aufbieten müssen, das war auch klar nach den vielen Ausfällen in der letzten Saison. Leider kamen noch Abgänge hinzu, die ausgeglichen werden mussten. Und auf den zeitweiligen Auslandsaufenthalt von Benjamin Raiser mussten wir letztendlich auch noch reagieren.
Die eigenen Ringer wurden jedoch selbstverständlich ebenso wenig ersetzt, wie unsere ausländischen Punktegaranten. Ringer aus der Umgebung möchte der Zuschauer natürlich sehen. Insofern wird sich das Gesicht der Mannschaft nur geringfügig ändern. Genau wie in der letzten Saison, in der im Schnitt weniger als 3 Neuzugänge pro Kampf zum Einsatz kamen. Somit relativiert sich die absolute Zahl an Neuzugängen doch gewaltig.
Warum wurden Arpad Ritter und Neven Zugaj in den Kategorien von Marc Buschle und Eduard Kratz verpflichtet?
Weil wir beim Kampf in Musberg schmerzhaft erkennen mussten, wie schnell ein Kampf kippen kann, wenn ein Leistungsträger nicht adäquat ersetzt werden kann. Es wäre doch extrem schade, wenn eine Saison abgehakt werden müsste, nur weil sich ein einzelner Ringer verletzt. Ede und Marc sind natürlich trotz allem, gerade als deutsche Ringer, nicht wegzudenken aus der Mannschaft, weshalb auf den Ersatz nur im äußersten Notfall zugegriffen wird.
Stichwort „deutsche Ringer“. Weshalb wurden nicht vermehrt deutsche Ringer verpflichtet?
Schlicht und ergreifend, weil wir sie nicht bekommen. Ein deutscher Siegringer möchte die meisten Kämpfe antreten dürfen, womit nicht mehr viele Positionen übrig bleiben, da wir den einheimischen Ringern niemand vor die Nase setzen möchten. Auf den für uns geeigneten Positionen bekamen wir jedoch Absagen, weil wir finanziell nicht mithalten konnten, oder weil wir nicht sicher in die Play-Offs kämen und weil einige Ringer ihr Augenmerk nur auf internationale Einsätze richten. Es fällt auf, dass fast jeder deutsche Topathlet für einen Verein mit „angeschlossenem“ Stützpunkt antritt. Trotzdem konnten wir zwei hervorragende deutsche Ringer verpflichten.
Um wen handelt es sich dabei?
Für den nach Triberg gewechselten Viorel Ghita haben wir den auffälligsten Ringer der deutschen Juniorenmeisterschaften, den Meister in der Kategorie bis 74 Kilogramm Freistil, gewonnen. Ahmed Dudarov ist eines der größten deutschen Talente und wird in der Regionalliga eingesetzt und langsam an die Bundesliga herangeführt. Als Ringer U 23 ist Ahmed eine taktisch eminent wichtige Alternative zum Neuzugang Ivan Deliverski, welcher wiederum Sandor Tözser ersetzt, der letzte Saison die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte.
Und wer ist der zweite deutsche Neuzugang?
Das kann ich leider noch nicht verraten, da wir die Unterschrift noch nicht haben. Aber die Zuschauer werden ihn lieben.
Da sind wir ja mal gespannt. Weshalb wurde Nenad Zugaj auf der Position von Sergios Solontkis verpflichtet?
Auch hier gab es bisher zu Sergios keine Alternative. Was, wenn er sich verletzt? Zudem kann Nenad auch in den Kämpfen auf 96 Kilogramm antreten, in denen Balazs Kiss nicht abtrainiert. Andreas Miekeley wird hier schmerzlich vermisst. Es war ein großer Schock für uns zu erfahren, dass er seine Ringerschuhe an den Nagel hängen möchte. Aber sein Trainingsaufwand war ihm irgendwann zu viel. Und ohne hartes Training geht es eben nicht bei der starken Konkurrenz.
Welche Rolle wird Nicolai Ceban spielen?
Er wurde uns von Ghenadie Tulbea wärmstens empfohlen und er hat ja auch mit seinem 3. Platz bei der EM in Dortmund die Erwartungen mehr als erfüllt. Georgi Sredkov ist für die Klasse bis 120 Kilogramm einfach zu leicht und er hatte auch keinen Ersatz.
Kann sich der ASV eigentlich so viele Neuverpflichtungen finanziell leisten?
Der Kader wird nicht mehr kosten als in der vergangenen Saison. Eher weniger, denn nach dem Wechsel des KSV Aalen in die Ostliga gibt es zwei Kämpfe weniger. Und Ringer werden nach Einsätzen und Punkten bezahlt. Ansonsten fallen ähnlich hohe Wechselgebühren an wie in der letzten Saison. Mit dem Unterschied, dass wir diesmal auch Ablösegebühren einnehmen.
Werden die ausländischen Ringer jeweils „eingeflogen“ oder bleiben sie während der Saison wieder in Nendingen?
Wir versuchen weiterhin die Ringer vor Ort zu haben. In der vorolympischen Saison werden jedoch vermutlich einige Ringer Trainingscamps ihrer Nationalmannschaft besuchen müssen.
(Bericht: Fritz Reichle